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Transdisziplinäre Methoden und Konzepte

 

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Aufruf anläßlich der internationalen Konferenz "Sustainability as a Concept of Social Sciences" im Rahmen des UNESCO-MOST-Programmes im November 1996 in Frankfurt am Main:

Declaration "Enhancing Social Scientific Understanding of Sustainability"

Deklaration "Für ein verbessertes (sozial-)wissenschaftliches Verständnis von Nachhaltigkeit"

Declaração "Pelo Desenvolvimento da Compreensão CientÌfica e Social da Sustentabilidade"

Policy Paper Sustainability: A Cross-disciplinary Concept for Social Transformation

Report on the preliminary results of the MOST-project "Sustainability as a Concept of the Social Sciences"

Link to MOST

 

Koordination:

Thomas Jahn

Bearbeitung:

Egon Becker,
Thomas Jahn,
Immanuel Stieß,
Peter Wehling
Diana Hummel

Finanzierung:

UNESCO, Paris

Laufzeit:

1995 - 1997

Sustainability as a Concept of the Social Sciences - Dekleration

Für ein verbessertes (sozial-)wissenschaftliches Verständnis von Nachhaltigkeit

Aufruf anläßlich der internationalen Konferenz "Sustainability as a Concept of Social Sciences" im Rahmen des UNESCO-MOST-Programmes im November 1996 in Frankfurt am Main

Im Hinblick auf das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung hebt die AGENDA 21, das Abschlußdokument der Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio 1992, die Bedeutung neuer wissenschaftlicher Anstrengungen und Ansätze hervor, insbesondere in Bezug auf die folgenden vier "Programmbereiche":

"Die Intensivierung der Forschung durch Verklammerung von Natur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften" wird in der AGENDA 21 als dringend erforderlich erachtet, "um zu einem besseren Verständnis sowohl der Auswirkungen des wirtschaftlichen und sozialen Verhaltens auf die Umwelt sowie umgekehrt der Auswirkungen der zunehmenden Belastung der Umwelt auf die Wirtschaft auf lokaler und globaler Ebene zu gelangen". Während die Umweltforschung traditionell von den Naturwissenschaften geprägt worden ist, bleibt bislang aber die Förderung und Einbeziehung der Sozialwissenschaften in interdisziplinäre Forschungsvorhaben auf diesem Gebiet hinter den Erwartungen an den Rio-Nachfolgeprozeß zurück. Sowohl seitens der SozialwissenschaftlerInnen als auch der PolitikerInnen sind daher neue strategische Bemühungen notwendig, zumal nachhaltige Entwicklung nicht allein die Erhaltung der Natur oder das Management von Ökosystemen beinhaltet, sondern in einem umfassenderen und grundlegenderen Sinne auf neue Modelle gesellschaftlicher Entwicklung und sozialer Transformation abzielt. Nachhaltigkeit bezieht sich auf die Aufrechterhaltbarkeit gesellschaftlicher Naturverhältnisse über lange Zeitperioden hinweg. Ökologische Nachhaltigkeit ist daher eng verbunden mit vermeintlich rein innergesellschaftlichen Strukturproblemen wie soziale Gerechtigkeit, Gleichstellung der Geschlechter und politische Partizipation lokaler Akteure.

Im Hinblick auf derartige Fragen sind substantielle, problemorientierte Beiträge der Sozialwissenschaften für ein adäquates Verständnis von Nachhaltigkeit zweifellos unabdingbar. Dies bedeutet auch, daß sich die Natur- wie die Sozialwissenschaften einem lokalen, umweltbezogenen Wissen ebenso öffnen müssen wie unterschiedlichen kulturellen und geschlechtsspezifischen Erfahrungen. Auf diese Weise wird das Verständnis von Nachhaltigkeit in ihren ökologischen, ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Aspekten vertieft und die Vorherrschaft hegemonialer, technokratischer und ethnozentrischer Interpretationen verhindert.

Um die Rolle der Sozialwissenschaften innerhalb der Nachhaltigkeitsforschung zu stärken, halten wir folgende wissenschafts- und forschungspolitischen Maßnahmen für besonders dringlich:

Angesichts dieser Situation und mit dem Ziel einer Stärkung des Kapitels 35 der AGENDA 21 fordern wir:

1. Als ein geeigneter Rahmen für nachhaltigkeitsbezogene und politikrelevante Forschung in den Sozialwissenschaften soll das MOST-Programm ("Management of Social Transformations") der UNESCO eine zentrale Rolle in internationalen Forschungsaktivitäten zu nachhaltiger Entwicklung spielen. Daher fordern wir die Regierungen - vor allem der Industrieländer - wie auch internationale Institutionen auf, dem MOST-Programm in finanzieller wie in organisatorischer Hinsicht eine größere und angemessenere Unterstützung zuteil werden zu lassen, um so die Grundlage für eine interdisziplinäre und problemorientierte sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeitsforschung zu schaffen.

2. Im Interesse des Schaffens sozialwissenschaftlicher Kapazitäten für die Nachhaltigkeitsforschung besteht dringender Bedarf an neuen Formen interdisziplinärer Forschungsinstitute und -organisationen, die in der Lage sind, die breite Vielfalt der mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung verbundenen Probleme zu untersuchen. Die Einrichtung neuer interdisziplinärer "Centers for Sustainability Studies" auf internationaler, nationaler und vor allem regionaler Ebene wäre ein geeigneter und erfolgversprechender erster Schritt zu diesem Ziel. Darüber hinaus müssen die bestehenden Institutionen für "Development Studies" die verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit in ihre Arbeit aufnehmen. Dies impliziert sowohl eine Neuorientierung der Ausbildung und Forschung in den industrialisierten Ländern des Nordens als auch den Aufbau eigenständiger und unabhängiger Ausbildungs- und Forschungskapazitäten in den Ländern des Südens. Interdisziplinäre Postgraduierten-Programme mit entsprechenden Curricula sollten an den Universitäten des Nordens und des Südens eingerichtet werden. Das UNITWIN Chairs-Programm der UNESCO kann diesbezüglich als ein geeigneter Rahmen genutzt werden. Auch hier sollten sich die Industrieländer in stärkerem Maße für eine Unterstützung der beschriebenen Prozesse engagieren.

3. Insofern das Konzept der Nachhaltigkeit eine grundlegende Herausforderung auf theoretischer und methodologischer Ebene darstellt, ist eine Neuorientierung der Sozialwissenschaften selbst erforderlich. Dies beinhaltet

4. Das Projekt "Sustainability as a Concept of Social Sciences" innerhalb des MOST-Programms der UNESCO hat wichtige wissenschaftliche und forschungspolitische Impulse für eine Neuorientierung der Sozialwissenschaften hinsichtlich der durch Nachhaltigkeit aufgeworfenen Fragestellungen gegeben. Darüber hinaus stellt es einen Ausgangspunkt dar für die Initiierung einer internationalen Diskussion und den Aufbau eines internationalen Netzwerks von (Sozial-)WissenschaftlerInnen, die zum Thema Nachhaltigkeit forschen. PolitikerInnen, die an Fragen der Nachhaltigkeit interessiert sind, sollten ebenfalls Zugang zu diesem Netzwerk haben. Zur Förderung sozialwissenschaftlicher Nachhaltigkeitsforschung sollten exemplarische Forschungsprojekte entworfen werden, die interkulturell und komparativ orientiert sind. Innerhalb dieses Rahmens sollte die Untersuchung von politischen Maßnahmen im Vordergrund stehen, mit deren Hilfe die Industrieländer zu einem globalen Wandel hin zu nachhaltigen Entwicklungsmustern beitragen können.

Wirksame Schritte in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung können nur dann erfolgen, wenn nationale Regierungen und Entwicklungshilfeorganisationen in den Industrieländern, das UN-System - besonders UNESCO, UNDP, UNEP -, die Weltbank, der Globale Umweltfonds (GEF), die Europäische Union sowie auch private Stiftungen bereit sind, die sozialwissenschaftliche Forschung auf breiter organisatorischer und finanzieller Basis zu unterstützen. Die Förderung internationaler sozialwissenschaftlicher Pilotprojekte zu Nachhaltigkeit, an denen WissenschaftlerInnen aus Ländern des Nordens und des Südens gleichermaßen beteiligt sind, ist ein erster Schritt zu diesem Ziel.

ErstunterzeichnerInnen des Aufrufs

 
Prof. Henri Acselrad
Institute for Urban and Regional Planning (IPPUR), Federal University of Rio de Janeiro, Brazil
 
Prof. Egon Becker
Institute for Social-Ecological Research, Frankfurt;
and Dept. of Educational Sciences, University of Frankfurt, Germany
 
Dr. Tatjana Bochkareva
Institute of Geography, Russian Academy of Sciences, Moscow, Russia
 
Prof. Rosi Braidotti
Women's Studies Department, University of Utrecht, The Netherlands
 
Prof. Lothar Brock
Dept. of Social Sciences, University of Frankfurt, Germany
 
Prof. Nazli Choucri
Dept. of Political Science, MIT, Cambridge MA, USA
 
Prof. Margrit Eichler
Dept. of Sociology in Education, Ontario Institute for Studies in Education,
University of Toronto, Canada
 
Dr. Marina Fischer-Kowalski
Institute for Interdisciplinary Research and Continuing Education, Innsbruck, Klagenfurt, Wien, Vienna, Austria
 
Prof. John Gowdy
Dept. of Economics, Rensselaer Polytechnic Institute, Troy NY, USA
 
Dr. Ramachandra Guha
Bangalore, India
 
Prof. Paulina Makinwa-Adebusoye
Nigerian Institute of Social and Economic Research (NISER), Ibadan, Nigeria
 
Prof. Joan Martinez Alier
Dept. of Economics and Economic History, Autonomous University of Barcelona, Spain
 
Prof. Hisayoshi Mitsuda
Dept. of Sociology, Bukkyo University, Kyoto, Japan
 
Prof. Robert Paehlke
Dept. of Political Studies and Environmental and Resource Studies Program
Trent University, Peterborough, Canada
 
Dr. Shalini Randeria
Institute of Sociology, Free University, Berlin, Germany
 
Prof. Carlos Reboratti
Director, Institute of Geography, University of Buenos Aires, Argentina
 
Prof. Michael Redclift
Wye College, University of London, Great Britain
 
Prof. Ignacy Sachs
Centre de Recherches sur le BrÈsil Contemporain, »cole des Hautes Études en Sciences Sociales, Paris, France
 
Prof. Rusong Wang
Dept. of Systems Ecology, Research Center for Eco-Environmental Sciences (RCEES), Chinese Academy of Sciences (CAS), Beijing, China
 
Prof. Carol Werner
Dept. of Psychology, University of Utah, Salt Lake City, USA

Dieser Aufruf richtet sich im Zusammenhang mit der Bewertung des Rio-Nachfolge-Prozesses an die UN- Generalvollversammlung. Weitere Adressatinnen sind nationale und internationale Wissenschaftseinrichtungen, sowie wissenschafts- und forschungspolitische Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind.

Die ErstunterzeichnerInnen sind die TeilnehmerInnen des UNESCO-MOST Projekts "Sustainability as a Concept of Social Sciences". Weitere Personen sind herzlich eingeladen, den Aufruf zu unterstützen. Wer dies tun möchte, wird um eine entsprechende Mitteilung an das Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt gebeten.

 
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Hamburger Allee 45
D-60487 Frankfurt am Main
fon: (0041) 69-70769190
fax: (0041) 69-707691911
E-Mail: info@isoe.de

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