
Alltagsökologie, Energie, Konsum
Mindeststandards für die Evaluation von Stromsparprogrammen
und die Ermittlung von Kosten-Nutzen-Effekten
Leitfaden_Evaluation_E-Beratung.pdf
(693 kb)
Pressemitteilung vom 12.07.2006: "Informative Stromrechnung für Haushaltskunden – Ein Modellversuch in Heidelberg", veröffentlicht unter: http://www.idw-online.de/pages/de/news168088
Die englischsprachige Präsentation "The Art of Consultancy – Comparison of different Types of Electricity Saving Programs for Private Households" finden Sie unter: Duscha_Duennhoff.pdf
Effiziente Beratungsbausteine zur Minderung des Stromverbrauchs in privaten Haushalten
ifeu – Institut für
Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, Markus Duscha (Leitung), Elke
Dünnhoff
ISOE: Doris Hayn
Dr. Gundula Hübner vom Institut für Psychologie der Universität Halle-Wittenberg
Programm BW-Plus Baden-Württemberg
04/2005-09/2007
In der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Klimawandel gewinnt der Beitrag privater Haushalte zum Klimaschutz an Bedeutung. Um Stromsparpotentiale bei den Konsumentinnen und Konsumenten wirksam zu aktivieren, sind Instrumente gefragt, die praktische Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und den individuellen Nutzen des Stromsparens verdeutlichen. Vor diesem Hintergrund wurde gemeinsam mit dem ifeu ein für Energieversorger einfach integrierbares, kostengünstiges Instrument entwickelt und in einem Modellversuch in Heidelberg erprobt und evaluiert. Diese „informative Stromrechnung“ kombiniert individuelle Rückmeldungen zum eigenen Stromverbrauch mit alltagspraktischen Stromspartipps sowie Beratungs- und Informationsmöglichkeiten vor Ort. Um die Akzeptanz und Wirksamkeit derartiger integrierter Angebote bei den Konsumentinnen und Konsumenten zukünftig weiter zu steigern, wird deren geschlechter- und zielgruppenspezifische Ausgestaltung von entscheidender Bedeutung sein.
Während der Stromverbrauch von Industrie und Gewerbe in den letzten Jahren reduziert werden konnte, nahm der Verbrauch der privaten Haushalte in Deutschland von 1990 bis 2002 um 12,6 % zu. In Baden-Württemberg liegt der Anteil des Stromverbrauchs durch die privaten Haushalte bei 24,5%. Die Ursachen des steigenden Stromverbrauchs in den Haushalten liegen u.a. in der zunehmenden Ausstattung mit Elektrogeräten und deren Nutzungsdauer, vor allem im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik. Zusätzlich verstärken steigende Leerlaufverluste sowie der mangelnde Einsatz stromeffizienter Geräte diesen Effekt. Bedingt durch die Zunahme von Einpersonen-Haushalten steigt zudem trotz stagnierender Bevölkerungszahlen die Anzahl der Haushalte in Deutschland insgesamt.
Um dem steigenden Stromverbrauch entgegen zu wirken, leisten zahlreiche Institutionen wie Energieversorger, Energieagenturen, Verbraucherzentralen und Umweltverbände mit Hilfe von Beratungsangeboten und Kampagnen Aufklärungsarbeit. Eine Reihe von Beratungen sind als kostengünstige "Abholangebote" konzipiert, die häufig nur von wenigen Haushalten wahrgenommen werden. Breit angelegte Kampagnen erreichen zwar möglicherweise eine große Zahl von Haushalten, haben jedoch langfristig beim Einzelnen im Hinblick auf Verhaltensänderungen nur geringe Effekte.
Im Mittelpunkt des praxisorientierten Forschungsvorhabens stand daher die Frage, welche Beratungskonzepte unter Kosten-Nutzen-Aspekten die größte Wirkung erzielen können. Dabei wurden die Zusammenhänge zwischen Beratungstyp bzw. Beratungsintensität, (z.B. Kampagne oder Haus-zu-Haus-Beratung), Beratungsanbieter (Energieversorger, Verbraucherberatungsstellen, etc.) und der Erreichbarkeit verschiedener Zielgruppen (z.B. nach Haushalts- und Familienstrukturen, Lebensstilen etc.) untersucht. Ziel des Vorhabens war es, effiziente Beratungsbausteine für die Stromsparberatung privater Haushalte in Deutschland zu erstellen und weiterzuentwickeln.
Durch die Analyse von bisherigen Beratungsinstrumenten und Erfahrungen von Akteuren im Bereich der Stromsparberatung konnten Ansatzpunkte für wirksame, zukünftige Stromsparprogramme identifiziert werden. Dabei wurde deutlich, dass bei der Evaluation von Stromsparberatung bisher Standards fehlen, die eine Vergleichbarkeit unter Kosten-Nutzen-Aspekten ermöglichen. Das Vorhaben hat daher auch Ansätze für Mindeststandards zur Evaluation entwickelt.
Auf Basis der Analyseergebnisse wurden Bausteine für eine Stromsparberatung ausgewählt und konzipiert und diese in Heidelberg in Kooperation mit der "Klimaschutz- und Energieberatungsagentur Heidelberg und Nachbargemeinen (KliBA)" und den Stadtwerken Heidelberg modellhaft umgesetzt. Der Schwerpunkt lag dabei auf einer Kombination von Vor-Ort-Stromsparberatung und dem Feedbackinstrument "informative Stromrechnung". Das ifeu-Institut begleitete die Umsetzung der Beratungen und führte eine Evaluation durch. Aufbauend auf den Gesamtprojektarbeiten wurden Empfehlungen für eine effiziente Stromberatung formuliert. Durch die Projektergebnisse werden Beratungsanbieter dabei unterstützt, ihre Beratungen effizienter und wirksamer zu planen und durchzuführen.
Bei Fragen von Stromverbrauch und effizienten Stromsparberatungsangeboten sind Genderaspekte von besonderer Relevanz. So gilt es beispielsweise zu fragen, welchen Einfluss Frauen und Männern bei der Entscheidung über den Kauf von Elektrogeräten haben und ob und wie sich Verhaltensmuster bei der Stromnutzung unterscheiden. Dementsprechend sollten Beratungsangebote so konzipiert sein, dass sie die Interessen und Lebenssituationen beider Geschlechter gleichermaßen berücksichtigen. Zudem sollten entsprechende Kommunikationsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit gendersensibel gestaltet werden. Vor diesem Hintergrund hat das ISOE als wissenschaftlicher Partner das Vorhaben beraten und unterstützt, um die geschlechter- und zielgruppenspezifische Ausgestaltung der Beratungsbausteine sicher zu stellen.