Transdisziplinäre Methoden und Konzepte
Soziale Dimensionen der Nachhaltigkeit. Perspektiven der Konkretisierung und Operationalisierung
Claudia Empacher,
Dr. Peter Wehling
ITAS (Institut für Technikfolgenab-
schätzung und Systemanalyse Karlsruhe
1998
abgeschlossen
Claudia Empacher/Peter Wehling (1999): Indikatoren sozialer Nachhaltigkeit. Grundlagen und Konkretisierungen. Frankfurt am Main. ISOE-Diskussionspapiere, Nr. 13
Empacher, C./P. Wehling (2002): Soziale Dimension der Nachhaltigkeit. Theoretische Grundlagen und Indikatoren. Frankfurt am Main, ISOE-Studientext Nr. 11
Foliensatz zum Vortrag "Die sozialen Dimensionen der Nachhaltigkeit - Vorschläge zur Konkretisierung und Operationalisierung" (PowerPoint Präsentation 85 kb)
Weiteres Projekt zum Thema: Arbeitsgruppe Soziale Nachhaltigkeit
Im Rahmen eines Verbundvorhabens der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) zur Untersuchung zu einem integrativen Konzept nachhaltiger Entwicklung. Bestandsaufnahme, Problemanalyse, Weiterentwicklung wurde das ISOE beauftragt, für die soziale Dimension der Nachhaltigkeit Perspektiven einer Konkretisierung und Operationalisierung zu entwickeln. Es brachte im Rahmen dieses Vorhabens seine sozialwissenschaftliche Kompetenz und die Erfahrungen aus dem UNESCO-Projekt Sustainability as a Concept of the Social Sciences (vgl. Becker et al. 1997) ein.
Im Gegensatz zu den bisherigen eher normativ angelegten Versuchen, die soziale Dimension der Nachhaltigkeit zu konkretisieren, wählte das ISOE eine analytische Vorgehensweise. Deutlich wurde, dass die soziale Dimension sich durch bestimmte Charakteristika von der ökologischen unterscheidet und ihre Operationalisierung somit einer eigenen Methodik bedarf. Eine klare Übereinkunft darüber, was denn das Soziale sei, fehlt; die Definition des Begriffs ist vom theoretischen Kontext abhängig. Auch diese Einsicht fand in der Diskussion um Nachhaltigkeit bisher noch keine Beachtung.
Das ISOE identifizierte fünf Kernelemente, die zu beachten sind: die Existenzsicherung aller Gesellschaftsmitglieder muss langfristig aufrechterhalten werden; die Sozialressourcen müssen erhalten und weiterentwickelt werden; beim Zugang zu Ressourcen muss Chancengleichheit bestehen, und die Partizipation an gesellschaftlichen Prozessen muss allen eröffnet werden. Als fünftes Kernelement, das alle anderen durchdringt, ist die Erhaltung der Entwicklungsfähigkeit sozialer Prozesse und Strukturen zu benennen.
Aufbauend auf diesen Kernelementen wurden Regeln für soziale Nachhaltigkeit formuliert und für jedes der Kernelemente ein Set an Indikatoren vorgeschlagen, anhand derer der jeweils erreichte Zustand an sozialer (Nicht-)Nachhaltigkeit beschrieben werden kann.
Bei der Auswahl der Indikatoren wählte das ISOE eine Mischung aus objektiv beobachtbaren Indikatoren und subjektiven Indikatoren, die die Wahrnehmung der Betroffenen wiedergeben, denn erst durch die Einbeziehung der subjektiven Dimension werden die besonderen Qualitäten sozialer Systeme deutlich. Diese Erkenntnis der Sozialindikatorenforschung hat bisher zu wenig Eingang in die Nachhaltigkeitsforschung gefunden.
Im Unterschied zu anderen Ansätzen betont das ISOE zudem besonders den Aspekt der Entwicklungsfähigkeit sozialer Systeme. Das Ziel von Nachhaltigkeit kann nicht alleine in der Aufrechterhaltung bestehender Strukturen liegen, sondern Systeme müssen auf Veränderungen innerhalb des Systems oder der Umwelt flexibel reagieren können, wenn sie langfristig bestehen wollen.
Mit dem Projekt wurde ein wichtiger Diskussionsbeitrag zur Definition sozialer Nachhaltigkeit geleistet. Die Betrachtung ausschließlich der sozialen Dimension, die mit dem Auftrag verbunden war, greift im Nachhaltigkeitsdiskurs zu kurz, da soziale Systeme auch immer ökologische und ökonomische Grundlagen haben. Diese Verbindungen gilt es zukünftig in einem integrativen Ansatz stärker zu berücksichtigen.