Wasser und nachhaltige Umweltplanung

Im August 2006 hat der Forschungsverbund den im Rahmen des Vorhabens entwickelten Ansatz zur integrierten Strategiebildung für Kommunen im Handbuch "Transformation netzgebundener Infrastruktur. Strategien für Kommunen am Beispiel Wasser" veröffentlicht. (Pressemappe - Pressemitteilung)
Kluge, Thomas/Libbe, Jens (Hg.) (2006): Transformation netzgebundener Infrastruktur. Strategien für Kommunen am Beispiel Wasser. DIFU-Beiträge zur Stadtforschung, Bd. 45. Berlin: DIFU
Lux, A./Scheele, U./Schramm, E. (2005): Benchmarking in der Wasserwirtschaft – Möglichkeiten und Grenzen einer Erweiterung des Benchmarking um ökologische und soziale Aspekte. netWORKS-Paper, Nr. 17 (Download, PDF-file 476 kB)
Kluge, Th. (2005): Ansätze zur sozial-ökologischen Regulation der Ressource Wasser. netWORKS-Papers 15 (Download, PDF-file 978 kB)
Schramm, E. (2005): Naturale Aspekte sozial-ökologischer Regulation. Bericht aus dem Analysemodul "Ressourcenregulation" im Verbundvorhaben netWORKS. netWORKS-Paper, Nr. 1 (Download, PDF-file, 548 kB)
Sozial-ökologische Regulation netzgebundener Infrastruktursysteme am Beispiel Wasser
Thomas Kluge
Alexandra Lux
Engelbert Schramm
Stefan Liehr
Irmgard Schultz
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu), Berlin;
Institut für
Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), Erkner;
BTU Cottbus/Lehrstuhl
für Stadttechnik;
Arbeitsgruppe für regionale
Struktur- und Umweltforschung (ARSU), Oldenburg
11/2002–12/2005
Förderung:
Bundesministerium für Bildung und Forschung

Förderschwerpunkt
Sozial-ökologische Forschung

Die für die Entwicklung von Kommunen wesentlichen netzgebundenen Infrastrukturen stehen vor einer Umbruchsituation. In den Bereichen Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung überlagern sich Dynamiken wie Kostendruck, hoher Sanierungsbedarf, neue Umweltauflagen, Verbrauchsrückgänge und Wettbewerbsanforderungen der EU. Für eine nachhaltige Bewältigung der Probleme greifen die oft sektoral ausgerichteten Instrumente und derzeit diskutierten Modernisierungsstrategien zu kurz. Der Forschungsverbund netWORKS hat einen Ansatz zur integrierten Strategiebildung entwickelt, der den kommunalen Entscheidungsträgern Instrumente und Verfahren bietet, die einen Umgang mit der zunehmenden Komplexität und flexible Anpassungen an sich verändernde Rahmenbedingen ermöglichen. Die Kommunale Entscheidungshilfe unterstützt das Identifizieren von Optionen und ihre adäquate Auswahl auf Basis einer Wirkungsabschätzung und eines Bewertungsverfahrens.
Den Kern des untersuchten sozial-ökologischen Problems bildet das Aufbrechen der alten Strukturen der Ver- und Entsorgung im Zuge des Transformationsprozesses und dessen nun fehlende Regulation. Ziel des Forschungsverbunds war es, gemeinsam mit Praxispartnern Anhaltspunkte, Instrumente und Strategien insbesondere auf der kommunalen Ebene zu entwickeln und zu erproben, mit denen in den sozial-ökologischen Transformationsprozess eingegriffen werden kann. Damit soll dieser Transformationsprozess in einen Korridor nachhaltiger Entwicklung gelenkt, sollen Gestaltungsoptionen in der Zukunft offen gehalten und eine Verschärfung sozial-ökologischer Problemlagen vermieden werden. Entsprechend wurde als zentrales Produkt eine strategische Entscheidungshilfe für ein nachhaltiges Infrastrukturmanagement in Kommunen erstellt.
Kommunale Entscheidungsträger, Länderadministrationen und Unternehmen wurden angesprochen und einbezogen. Sie sind somit einerseits Zielgruppe der Ergebnisse und wurden andererseits mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen auch an der Strategieentwicklung beteiligt. Innerhalb des Verbunds wurden insbesondere kommunalwissenschaftliche, ökonomische, ökologische, stadttechnische und raumwissenschaftliche Aspekte der Veränderungsprozesse untersucht.
Die Verbundarbeit begann mit einem KickOff-Workshop im November 2002 in Hannover, an dem auch Praxispartner und Mitglieder des Beirates teilnahmen. Mittels fachübergreifenden Bestandsaufnahmen für die Wasserversorgung, die Energieversorgung, die Telekommunikation und den Öffentlichen Personennahverkehr (netWORKS-Papers, Nr. 2, pdf, 917 kb) wurden insbesondere die Trends zu Privatisierung bzw. Liberalisierung der Infrastrukturen und deren soziale, ökologische und ökonomische Wirkungen praxisnah erhoben. Darauf aufbauend wurde der bestehende Regulationsbedarf (netWORKS-Papers, Nr. 1 pdf, 268 kb) beispielsweise hinsichtlich des Ressourcenschutzes, eines nachhaltigen Innovationsmanagements der Kommunen oder der Geschlechtergerechtigkeit identifiziert.
Das ISOE setzte sich in der Hauptphase des Projektes vorrangig mit Aspekten der Ressourcenregulation auseinander. Durch Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Aspekten bei Mengen- und Qualitätsfragen (Verbesserung des Gewässerschutzes) sollte eine möglichst optimierte Ressourcenbewirtschaftung erreicht werden. Die Klärung dieser Fragen ist besonders relevant, wenn es darum geht, Wasserrechte zu vergeben bzw. alternative Bewirtschaftungsformen (z.B. handelbare Rechte) zu entwickeln. Somit wurden insbesondere die Länderadministrationen angesprochen, die mit Aufgaben der Wasserbewirtschaftung betraut sind. Ziel war es, Eckpunkte für eine Reform der Wasserrechtsvergabe zu erarbeiten.
Die Analyse der physischen Aspekte der Ressourcenregulation (netWorks-Papers 14: Schramm, Engelbert: Naturale Aspekte sozial-ökologischer Regulation) basiert auf zwei Fallbeispielen (Fuhrberger Feld und Hessisches Ried). Bezogen auf die Festlegung der bewirtschaftbaren Grundwassermenge ist die Vorstellung von Regulationskorridoren, mit oberen und unteren Interventionswerten, zentral; wenn z. B. das Grundwasser unter eine bestimmte Marke absinkt, soll die Ressource nur noch eingeschränkt bewirtschaftet werden. Ansatzweise lassen sich Interventionskorridore auch für die Regulation der Wasserqualität entwickeln (wofür noch keine entsprechenden Praxisbeispiele bekannt sind). Insgesamt lassen sich handhabbare Bewirtschaftungsregeln aber nur für vergleichsweise einfach strukturierte Ressourcen (z. B. im Lockergestein) oder gepufferte Systeme identifizieren.
Ferner wurde untersucht, inwiefern die Europäische Wasser-Rahmenrichtlinie und die entsprechend novellierte nationale Gesetzgebung Veränderungen in der Ressourcenregulation (netWORKS-Papers 15: Kluge, Thomas: Ansätze zur sozial-ökologischen Regulation der Ressource Wasser) bedingen. Die Analyse der derzeitigen Vergabe von Wassernutzungsrechten zeigt, dass die Frage der Öko-Effizienz (d. h. eine Kombination von volkswirtschaftlichen und ökologischen Effizienzkriterien) bisher keine praktische Rolle spielt. Zukünftige Forschungen müssen sich vor allem auf die Ausbalancierung von Nutzungskonkurrenzen auf lokaler Ebene und die Entwicklung entsprechender (formeller und informeller) Verfahren des Interessensausgleichs beziehen. Ergänzend wurde die Relevanz der internationalen Debatte und Erfahrungen zum Konzept der handelbaren Wasserrechte für die deutsche Situation analysiert.
Weitere Schwerpunkte waren Arbeiten zum Thema Benchmarking in der Wasserwirtschaft. Im Frühjahr 2004 veranstaltete das ISOE gemeinsam mit ARSU das Symposium "Benchmarking-Konzepte in der Wasserwirtschaft" (netWORKS-Papers_Nr_7.pdf, 1,6 MB). Kommunalpolitisches Fachgespräch Um gemeinsam mit Entscheidungsträgern aus Kommunen und Unternehmen im Bereich Wasserversorgung und Abwasserentsorgung eine Orientierungshilfe zur Sicherung und Stärkung ihrer politischen und fachlichen Kompetenz zu ermitteln, hat der Forschungsverbund im Dezember 2004 ein kommunalpolitisches Fachgespräch veranstaltet. Es wurde in Zusammenarbeit mit Vertretern der Cooperative Darmstadt durchgeführt und hat verdeutlicht, dass kommunale Dienstleistungen im Bereich der Wasserver- und -entsorgung für Kommunen und so auch für die Bürgerinnen und Bürger eine essenzielle Rolle spielen. Um die Möglichkeit und Grenzen, Benchmarking um ökologische und soziale Aspekte zu erweitern, geht es im netWORKS-Paper Nr. 17 (pdf-file, 476 kb)
Darüber hinaus wurden in den Integrationsmodulen gemeinsame Grundbegriffen interdisziplinär geklärt. Unter Federführung des ISOE wurde dabei geprüft, welche Funktion die Begriffe "nachhaltiges Infrastrukturmanagement", "Regulation", "Transformation" sowie "Kopplung/Entkopplung" für die weitere Arbeit im Verbund haben. Der Begriff "sozial-ökologischen Regulation" (Download auf den projekteigenen Seiten) konnte als zentral identifiziert werden. Es wurde hier ein Konzept entwickelt, das die Anforderungen an die Adaptivität von Regulationen im Transformationsprozess und die Verschränkung von sozialen und ökologischen Dimensionen aufnehmen kann. Methoden zur Integration von verschiedenen Wissensbeständen und –zugängen, für die inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit sowie als Grundlage für die (oben erwähnte) strategische Entscheidungshilfe wurde eine spezifische Methode zur Integration von verschiedenen Wissensbeständen und -zugängen entwickelt, deren Umsetzungs- und Übertragungsmöglichkeiten untersucht wurden. Außerdem wurde in diesem Modul die Integration von Genderaspekten in die Forschungsarbeit des Verbundes befördert. Hierzu wurden mittels einer angepassten Methode themenspezifische genderrelevante Fragestellungen identifiziert, die anschließend den jeweiligen Modulen im Gesamtverbund zugeordnet und der Bearbeitung übergeben wurden (Download). Darüber hinaus wurden auf der Basis einer qualitativen, sozial-empirischen Untersuchung Hypothesen zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Bewertung der gegenwärtigen Transformationsprozesse in der Wasserwirtschaft erarbeitet. Die empirischen Auswertungen, die auch zukünftigen Forschungsbedarf feststellen, finden ihren Niederschlag in der strategischen Entscheidungshilfe. In diesem Zusammenhang wird auch die Relevanz von Genderaspekten in Partizipationsprozessen thematisiert. Während man generell festhalten kann, dass die Frage von Verbraucherrechten unter den Bedingungen der gegenwärtigen Transformation in den Vordergrund tritt, bleibt in der Diskussion aber offen, was diese Rechte beinhalten (sollen) und wie bzw. durch wen ein Monitoring zu deren Einhaltung erfolgen kann.