Wasser und nachhaltige Umweltplanung
Integrated
Land and Water Management: Policy and Institutional
Issues.
335 kb pdf-file
Integrated Water
Resources Management in the Namibian Part of the Cuvelai
Basin
500 kb pdf-file
Selected
Results from Socio-Ecological
Participatory Situation Assessments in
Two Sites in Central Northern Namibia,
1,1 MB pdf-file
Village-scale
and Solar Desalination
Technology Experience in Namibia. 584 kb pdf-file
Sondierungsstudie Integriertes Wasserressourcen-Management (IWRM) im nördlichen Namibia – Cuvelai-Delta
Integriertes Wasserressourcen-Management im nördlichen Namibia – Cuvelai-Basin (CuveWaters)
PD Dr. Thomas Kluge
Jutta Deffner
Dr. Stefan Liehr
Dr. Alexandra Lux
Dr. Petra Moser (bis 12/2007)
Dr. Heike Wanke (bis 11/2008)
Technische Universität Darmstadt (Institut WAR);
Fraunhofer
Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IBG)
Desert Research Foundation of Namibia (DRFN);
Dr. Steffen Niemann
Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF)

11/2006-04/2009
Für bereits heute von Trockenheit betroffene Länder stellen Wassermangel und Klimawandel besondere Herausforderungen dar, die angepasste Lösungen erfordern. In Zukunft wird vor allem südlich der Sahara das Wasser noch knapper werden und die Niederschläge sowohl räumlich als auch zeitlich noch stärker variieren. Um die Lebensbedingungen der Bevölkerung im Cuvelai-Etosha-Basin durch innovative und angepasste Wassertechnologien zu verbessern, arbeitet das internationale Forschungsprojekt CuveWaters an der Entwicklung und Umsetzung eines integrierten Wasserressourcemanagement–Konzepts (IWRM). Das Projekt zielt auf die verstärkte Nutzung lokaler Wasserressourcen, um durch einen Multi-Ressourcen-Mix Wasser unterschiedlicher Qualität aus verschiedenen Quellen für unterschiedliche Zwecke nutzen zu können.
Der namibische Teil des Cuvelai-Basins liegt im zentralen Norden Namibias (angrenzend an Angola) und besteht aus vier "Subbasins" (Karte). Rund 50% der Bevölkerung von Namibia lebt dort auf 15% der Fläche des trockensten Staates im sub-saharischen Afrika. Die Trinkwasserversorgung der Region erfolgt hauptsächlich über ein Fernleitungssystem, das Wasser aus dem Fluss Kunene an der namibisch-angolanischen Grenze in den zentralen Norden transportiert. Dies bedeutet eine starke Abhängigkeit von Angola und den dortigen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen.
Als alternative Wasserquelle kommt Oberflächenwasser nur während der Regenzeit in Betracht, denn es ist nur dann in ausreichendem Maße verfügbar. Vorherrschend ist ein jahreszeitlicher Wechsel von Überflutung und Dürre. Erreichbare Grundwasserhorizonte sind oft zu salzhaltig, um sie direkt als Trinkwasser nutzen zu können – teilweise können sie nicht einmal für die Versorgung von Vieh und andere Wassernutzungen verwendet werden. Diese naturräumlichen Voraussetzungen in Verbindung mit hohen Bevölkerungswachstumsraten, hoher Bevölkerungsdichte sowie fortschreitender Urbanisierung führen zu äußerst schwierigen Rahmenbedingungen sowohl für die nachhaltige und dauerhafte Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen als auch für das Wassermanagement. Um mit diesen Herausforderungen besser umgehen zu können und die Ressourcenabhängigkeit von Angola zu mindern, soll im Rahmen von CuveWaters ein Multi-Ressourcenmix (z.B. Regenwassernutzung, dezentrale solar-gekoppelte Entsalzung, künstliche Grundwasseranreicherung) greifen und die Wasserproduktivität erhöht werden (Water Reuse und Abwasserrecycling zur Gewinnung von Bewässerungswasser und Energie). Ziel des Projektes ist, durch innovative Wasserver- und Wasserbehandlungstechnologien die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern.
Wichtige Voraussetzung zur Erreichung dieses Ziels ist ein transdisziplinärer Forschungsansatz, der auf der Integration von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft basiert. Die Forschungsergebnisse sind somit nicht nur akademisch relevant, sondern tragen unmittelbar zur Lösung praxisrelevanter Probleme bei.
Dieser transdisziplinäre Ansatz spiegelt sich auch in der Projektstruktur wider: Die drei wissenschaftlichen Projektbausteine Konzeptforschung, Empirie und Technologie sind eng verzahnt mit den drei integrativen, auf soziale Prozesse zielenden Bausteinen Partizipation, Good Governance & Institutionalisierung sowie Capacity Building.
Im Rahmen der Konzeptforschung stehen die Arbeiten zur regionalökonomischen Analyse, zur Demographie/Territorialisierung und zur systemischen Analyse der Einflussfaktoren auf Wassermanagement und -nutzung im Zentrum. Ergebnisse von Literaturrecherchen und -auswertungen und auch von Experteninterviews fließen in die Erstellung von Szenarien ein. Diese Szenarien stellen die verschiedenen Möglichkeiten dar, wie sich die Situation im Untersuchungsraum entwickeln kann. Sie wurden in einem Stakeholder Workshop im Oktober 2007 in Namibia vorgestellt und mit Fachleuten, Regierungsvertretern und Vertretern der Bevölkerung diskutiert (Partizipation). Dieser Workshop bildete einen wichtigen Ausgangspunkt für die weiteren Aktivitäten innerhalb des Projektbausteins Technologie.
Die empirischen Arbeiten im Projekt umfassen sowohl die Auswertung von Sekundärmaterial als auch die Durchführung eigener Primärerhebungen zur Identifizierung von Problemzusammenhängen vor Ort sowie die Auswahl potentieller Technikoptionen. Für die sozial-ökologischen Erhebungen im Untersuchungsgebiet wurden Methoden aus dem ‚Participatory Rural Appraisal’ Ansatz mit Formen der empirischen Sozialforschung verknüpft und eine qualitativ-sozialwissenschaftliche Befragungsmethodik entwickelt. Eine erste Erhebung hat im Mai 2007 stattgefunden. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde eine zweite Erhebung im August 2007 durchgeführt. Dabei standen Wassernutzungsmuster als auch Meinungen und Wahrnehmungen der Nutzer gegenüber vorgestellten Technologieoptionen der Regenwassernutzung und der Sanitärver- und der Abwasserentsorgung im Vordergrund. Im Jahr 2008 wurden weitere empirische Untersuchungen zur Verfestigung der bisherigen Umsetzungsplanungen durchgeführt. Diese Ergebnisse flossen in die weitere Ausrichtung des Projektes, beispielsweise die Technikanpassung, die Standortauswahl oder die Weiterentwicklung von institutionellen Rahmenbedingungen (Good Governance) und Ausbildungsbedarfen (Capacity Building) ein.
Im Projektbaustein Technologie werden innovative Technologie-Optionen geprüft, um alternative Wasserressourcen zu erschließen und darüber einen Multi-Ressourcenmix zu etablieren, der die Nutzung unterschiedlicher Wasserquellen, -arten und -qualitäten für die verschiedenen Nutzungszwecke ermöglicht. Für die Regenwassernutzung werden gegenwärtig die Grundvoraussetzungen wie z. B. lokale Baumaterialien für Auffangbehälter recherchiert, während zur Erfassung des Technikangebotes von Kleinstentsalzungsanlagen gemeinsam mit dem ‚Deutschen MeerWasserentsalzung e.V.’ ein Workshop in Frankfurt/Main veranstaltet wurde (Workshop).
Des Weiteren wurden die Möglichkeiten der künstlichen Grundwasseranreicherung geprüft und ein dezentrales Abwasseraufbereitungskonzept weiter entwickelt. Die in die Umsetzungsphase eingehenden Optionen wurden in einem partizipativen Prozess unter Berücksichtigung der Standortbedingungen (städtisch/ländlich) während des ersten Stakeholder Workshops im Oktober 2007 ausgewählt. Außerdem wurden die ersten Schritte zur Einbettung der Technikimplementierung in die bestehenden institutionellen und administrativen Prozesse auf diesem Workshop entwickelt.
Um die institutionelle Absicherung des angepassten IWRM-Prozesses zu gewährleisten, werden im Projektbaustein Good Governance & Institutionalisierung beständige rechtliche und institutionelle Strukturen erarbeitet. In diesen Arbeiten wie auch in den Bausteinen Partizipation und Capacity Building liegen wichtige Querschnittsfunktionen, die auf die langfristige und adäquate Umsetzung der (wissenschaftlichen) Projektergebnisse abzielen.
Zentrale Element sind:
Zur Unterstützung wurde eine detaillierte Stakeholder Analyse durchgeführt und im Vorlauf zum Stakeholder Workshop gezielte Aktivitäten unternommen, um die Stakeholder zu mobilisieren und involvieren. Die Einbeziehung namibischer Student/innen (Bachelor, Master, PhD) trägt direkt zum Capacity Building zukünftiger Entscheidungsträger bei. Um das Projekt im namibischen IWRM Kontext dauerhaft zu verankern, fand ein Kick-off Workshop mit Vertreter/innen aus Wissenschaft, Ministerien und NGOs im Februar 2007 statt. und ein Stakeholder-Workshop im Oktober 2007.
Derzeit wird die erste Projektphase von CuveWaters abgeschlossen. Es wurden wichtige Entscheidungen zu Standorten und notwendigen technologischen Anpassungen gemeinsam mit Administration und Behörden, Betroffenen und Nutzerinnen und Nutzern getroffen. In den ländlichen Gebieten des Cuvelai-Etosha Einzugsgebiets sind dezentrale Anlagen zur Grundwasserentsalzung sowie Anlagen zur Regenwassersammlung und unterirdischen Wasserspeicherung geplant. In einem städtischen Gebiet werden aufgrund der sehr unterschiedlichen Anforderungen drei Typen von sanitären Einrichtungen geplant: individuelle, Gruppen- und Gemeinschaftslösungen. Diese werden kombiniert mit einem innovativen Verfahren der Abwassersammlung und -behandlung. Abwasser wird in diesem Konzept als Ressource genutzt. Durch anaerobe Behandlung wird Biogas gewonnen, anschließend kann das aufbereitete, noch Nährstoffe (z.B. Nitrate) enthaltende Abwasser zur Bewässerung und Düngung eingesetzt werden.
Die Herausforderungen bei der Implementierung von Anlagen zur dezentralen Grundwasserentsalzung wurden von Detlof von Oertzen und Robert Schultz (beide DRFN Desert Research Foundation of Namibia) genauer untersucht. Im aktuellen Heft CuveWaters Paper No. 4 weisen sie auf kritische Punkte hin, die in der Umsetzung in den ländlichen Regionen Namibias zu berücksichtigen sind. Darauf basierend werden Vorschläge für die Implementierung formuliert. Diese Ergebnisse können auch für andere – dezentrale – Wasserinfrastrukturen und für andere aride Länder und Regionen interessant sein.