Birgit Kullmann
kullmann@isoe.de
Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +49 - 69 - 7076919 30
Fax +49 - 69 - 7076919 11
Bericht 2008 erhältlich über:
info@isoe.de
pdf-file,
1,5 MB
Pressemitteilung
Newsletter
Anmeldung zum Newsletter
Veranstaltungsreihe "Klimawandel GlobalLokal":
Biokraftstoffe – The ulitmate solution? ...
Flyer
(128 kb),
Pressemitteilung -
PM als pdf
Weitere
Pressemitteilungen
Oktober
2008
Newsletter-Archiv
Medieninformation
Überflutungen im nördlichen Namibia – neues Sanitärkonzept für einen angepassten Umgang mit Wasser
Der 22. März 1992 wurde von den Vereinten Nationen zum Weltwassertag erklärt. Jedes Jahr wird an diesem Tag auf die besondere Bedeutung des Wassers und seiner nachhaltigen Nutzung aufmerksam gemacht. Der diesjährige Weltwassertag steht unter dem Motto "Water and Sanitation" und soll daran erinnern, dass mehr als 2,5 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu ausreichender Abwasserentsorgung haben. Das aktuelle Beispiel des nördlichen Namibias, das derzeit von flächenhaften Überflutungen betroffen ist, zeigt, wie wichtig neue Sanitärkonzepte vor allem für den Umgang mit den bereits jetzt auftretenden Folgen des Klimawandels sind.
Der Norden Namibias ist derzeit von flächenhaften Überflutungen betroffen,
da seit Ende Januar immer wieder starke Regenfälle auftreten. Zahlreiche
Straßen und Brücken wurden weggespült und Dörfer und Siedlungen von gewaltigen
Wassermassen eingeschlossen. Schulen und Kliniken sind so für die Bevölkerung
nicht erreichbar. Etwa 60.000 Menschen sind unmittelbar betroffen, mehrere
tausend obdachlos. In mindestens einem Fall ist es in der Region zu einem Bruch
einer der mit Trinkwasser versorgenden Pipelines gekommen, so dass die Gefahr
der Mischung mit Oberflächen- bzw. Abwässern besteht, da auch Kläranlagen
überflutet wurden, und es sind bereits erste Fälle von Cholera aufgetreten. Am
4. März 2008 hat der namibische Präsident Hifikepunya Pohamba für insgesamt
vier Regionen im Norden des Landes den Notstand ausgerufen und die
internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, mit den namibischen Behörden
zusammenzuarbeiten, um die Not zu lindern bzw. sich an den Maßnahmen zur
Vorbeugung gegen die Folgen der Flut bzw. am Wiederaufbau zu beteiligen.
Vor besonders schweren Problemen stehen informelle Siedlungen, in denen nur
bedingt Infrastrukturen vorhanden sind. In diesen Gebieten nutzt die
Bevölkerung im Haushalt zum Teil Wasser aus temporären Flussläufen, in die auch
ungereinigte Abwässer aus überfluteten Oxidation Ponds gelangt sind. Oxidation
Ponds sind Abwassersammelteiche, wo es anstelle von Aufbereitungstechniken
unvermeidlich zu einer Verdunstung und Versickerung des Abwassers kommt.
Insbesondere bei extremen Regenereignissen (Klimawandel) laufen diese
Abwassersammler über und es kommt zu Verunreinigungen der Oberflächengewässer
und des Grundwassers. Das internationale Forschungsprojekt CuveWaters, das an
der Entwicklung und Umsetzung eines Konzepts für ein integriertes
Wasserressourcenmanagement für das nördliche Namibia arbeitet, hat ein
neuartiges Sanitärkonzept entwickelt und wird dieses in einem informellen
Siedlungsgebiet pilothaft umsetzen. "Wenn das vorhandene Wasser effizienter
genutzt wird (Water Reuse) und zum anderen zusätzlich eine Düngung der Felder
und Gärten erfolgen kann, führt dies zur Verbesserung der Lebensqualität der
ärmeren Bevölkerung in einem informellen Siedlungsgebiet, zur Armutsreduktion
und zu einem "Slum-up-grading"", hebt
Projektleiter PD Dr. Thomas Kluge vom Institut für sozial-ökologische Forschung
(ISOE) hervor.
Besonderheiten des neuartigen Sanitärsystems sind: Das Abwasser wird per
Unterdruck über ein gesondertes Vakuumsystem abgesaugt und in einen zentralen
Tank eingeleitet. So kann der Spülwasserbedarf drastisch reduziert werden und
es entsteht deutlich weniger Abwasser. Dieses gelangt dann in die zentrale
Abwasserreinigungsanlage und wird dort gesäubert. Herzstück sind ein
Anaerobreaktor und Rotationsscheibenfilter, in denen das Wasser über poröse,
keramische Membranen filtriert wird. Sie entfernen alle Feststoffe aus dem
Abwasser, die größer als 0,2 Mikrometer sind – auch Bakterien bleiben somit im
Rückhaltesystem und zersetzen die organischen Abwasserinhaltsstoffe. Unter
Luftabschluss entstehen so Methan und Kohlenstoffdioxid, allerdings ohne, dass
unangenehme Gerüche verbreitet werden. Das gewonnene Biogas liefert Strom und
Wärme, die zum Kochen benutzt werden können. Organische Massen aus Biomüll und
Fäkalien werfen als weiteres Nebenprodukt Dünger (Stickstoff und Phosphor) ab
und der flüssige Ablauf der Abwasserreinigungsanlage kann somit zur Bewässerung
und Düngung im städtischen Gartenbau und der Landwirtschaft genutzt werden. Neu
und besser: Das System braucht zum einen weniger Wasser als die klassische
Wasserspülung mit der Schwemmkanalisation, zum anderen ist das Vakuumsystem
geschlossen und bietet kaum Ansatzfläche für Überflutungsrisiken.
Das Forschungsprojekt CuveWaters ist ein vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung gefördertes Gemeinschaftsprojekt des Instituts für sozial-ökologische
Forschung (ISOE), Frankfurt am Main, der Technischen Universität Darmstadt,
Fachgebiet Wasserversorgung und Grundwasserschutz (Institut WAR) und des
Fraunhofer Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB). In
Namibia arbeitet das Projekte eng mit dem namibischen Ministerium für
Landwirtschaft, Wasser und Forsten, der Desert Research Foundation of Namibia (DRFN),
der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zusammen, um die Beteiligung und aktive
Einbindung institutioneller Akteure wie auch der Bevölkerung vor Ort zu
unterstützen. Weiterführende Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie
unter: http://www.cuvewaters.net
Birgit Kullmann
Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel.: 069 - 707 69 19 - 30
Fax: 069 - 707 69 19 -11
E-Mail:
kullmann@isoe.de
Datei als pdf-File PM0308.pdf (28 kb)